2025
Pause bis zum 6. Januar 2026

Liebe Leserinnen und Leser,
ich wünsche Ihnen und Euch frohe Festtage und für 2026 alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit und Zufriedenheit! Auch im Neuen Jahr gibt es wieder spannende Seminare, Vorträge, Exkusionen, Bildungsurlaube und manches mehr! Bis dahin grüße ich Sie und Euch herzlich aus Göttingen und zum Jahreswechsel aus dem französischen Ault. Glückauf!
Ihr und Euer
Thomas Sander
15. Dezember 2025
Die Seminare an der UDL gehen in die letzte Woche des Jahres, gleichzeitig beenden wir damit den jeweils ersten Teil der Veranstatungen. In der Programmmusik haben wir bisher Mussorgskys Bilder einer Ausstellung, Dukas' Der Zauberlehrling, Honeggers Pacific 231, Respighis Fontane di Roma und Pini di Roma, Strauss' Eine Alpensinfonie, Tschaikowskys Der Sturm, Mussorgskys Eine Nacht auf dem kahlen Berge, Smetanas Die Moldau, Strauss' Till Eulenspiegels lustige Streiche und Salonens LA Variations besprochen. Morgen geht es mit dem Karneval der Tiere von Saint-Saëns und dem Hummelflug von Rimski-Korsakow in die Weihnachtspause. Ab Januar stehen dann u. a. Berlioz' Symphonie fantastique, Debussys La mer, Beethovens 6. Sinfonie "Pastorale", Haydns Die Schöpfung und Vivaldis Die vier Jahreszeiten auf dem Programm.
Bei Opern und Musiktheater des Barock haben wir uns bis jetzt ausschließlich in Italien aufgehalten. Den Anfang machte Monteverdis L'Incoronazione di Poppea, es folgten Cavallis La Calisto und Ercole amante. Wir haben einzelne Szenen und Sequenzen angeschaut und analysiert, jeweils mit unterschiedlichen Einspielungen, sodass wir mehrere Inszenierungen und damit verschiedene Ansätze der Darstellung miteinander vergleichen konnten. Darüber hinaus haben uns Dokumentationen des "Making of" Einblicke in die Produktionen gegeben. In diesen Dokumentationen kommen Sängerinnen und Sänger, Dirigenten, Orchestermitglieder, Regisseure, Techniker etc. zu Wort und ermöglichen uns sozusagen einen Blick hinter die Kulissen. Im neuen Jahr geht es zunächst nach England mit Werken von Purcell und abschließend nach Frankreich, wo wir uns mit Opern von Lully und Rameau befassen werden.
12. Dezember 2025
Ich heirate einen Eisbär. Ist mir egal.
Pia, 6
8. Dezember 2025
Meine zwei Tage in Berlin waren wunderbar. "Fedora" in der Deutschen Oper bot glutvollen und klangfarblich ausdrucksstarken Verismo, mit einer großartigen Vida Miknevičiūtė und einem ebensolchen Jonathan Tetelman in den Rollen der verzweifelt Verliebten. Ausverkauftes Haus, langer und stürmischer Beifall eines berauschten Publikums!
In der Kürze der Zeit habe ich es zu einem Bummel über den Kunstmarkt geschafft, zu einem Lunch im "Atlantic" (Bergmannstraße), zum Shop der Staatsoper Unter den Linden und gleich zweimal zur Einkehr in meine geliebte "Kastanie" (Schloßstraße in Charlottenburg). Sie ist, so heißt es auf der Webseite, seit 1973 ein "Treffpunkt zum Lachen, Debattieren, Genießen". Das Personal ist freundlich, kommunikativ und absolut professionell. Die hausgemachten Gerichte (ich hatte z. B. Fischfrikadellen mit Pastinakenpüree, Rote-Bete-Gemüse und Salat) sind lecker, kreativ und nicht teuer. Es gibt ausgewählte Weine und acht verschiedene Biere vom Fass. Seit ich die "Kastanie" vor zehn Jahren für mich entdeckt habe, bin ich bei jedem Berlin-Besuch dort zu Gast und sofort zu Hause.
4. Dezember 2025
Morgen ist es soweit: Ich fahre nach Berlin und sehe Umberto Giordanos "Fedora" in der Deutschen Oper. Nachdem die Produktion (Regie Christoph Loy) bereits in Stockholm und Frankfurt begeistert aufgenommen wurde, kommt der musikalische Krimi jetzt also in die Hauptstadt. Startenor Jonathan Tetelman als Graf Loris Ipanoff und Vida Miknevičiūtė in der Rolle der Fürstin Fedora Romazoff sind die Hauptakteure der tragischen Liebesgeschichte, die zwischen St. Petersburg, Paris und den Schweizer Alpen spielt. Ich freue mich auf knapp zwei Stunden Verismo mit Leidenschaft und Dramatik, schillernden Orchesterfarben und ikonischen Melodien!
1. Dezember 2025
Zum Abschluss des laufenden Opernkurses an der VHS Göttingen befassen wir uns heute Abend mit dem Finale aus Gounods "Faust". In seiner bekannten und schon zu Lebzeiten häufig gespielten Oper setzt Gounod vier Stimmfächer ein: Die Titelpartie singt ein Haute-Contre-Tenor, für Mephistopheles braucht es einen kernigen, "schwarzen" Bassbariton, Margarethe ist mit einem lyrischen Sopran besetzt und Valentin kann nur ein sehr französischer, hoher „Baryton-Martin“ mit hellem, jugendlichem Timbre singen. Die Musik setzt Goethes Drama musikalisch differenziert, packend und melodisch eingängig in Szene. Große französische, romantische Oper!
27. November 2025
Kunst, einst Medium der Erhellung, wird im Zeitalter der Angst des Menschen vor seinem eigenen Fortschritt zum Medium der Verdrängung. An die Stelle des Aufbruchs zu neuer Erkenntnis und zu neuen Aufgaben des Geistes ist die Flucht in die Idylle getreten. Der ästhetische Apparat steht dafür ein. Musikkultur ist der Walkman, womit man hört und sich zugleich die Ohren zuhält.
Helmut Lachenmann (* 1935), Komponist
Mit "ästhetischem Apparat" meint Lachenmann die Gesamtheit vorhandener musikalischer Einrichtungen und kursierender Überzeugungen, den ganzen Komplex aus historisch Gewachsenem und Gewordenem, gegen den es sich insbesondere als Komponist zu behaupten und durchzusetzen gilt. So wird auch ein besonders hübsches Bonmot Lachenmanns verständlich: "Für viele ist der Konzertsaal wie eine warme Badewanne. Da kann ein kalter Wasserguss daran erinnern, dass wir lebendige Menschen sind." Herzlichen Glückwunsch zum 90. Geburtstag, Helmut Lachenmann!
Pause bis zum 25. November 2025
13. November 2025
Gute Freunde sind Menschen, die sehr weit weg wohnen.
Alfred Hitchcock (1899 – 1980)
9. November 2025
Vor zwei Tagen feierte die Göttinger Lichter-Nacht Premiere. Zu sehen waren spektakuläre Lichtshows, kreative Installationen und besondere Aktionen in der ganzen Innenstadt. Das Foto habe ich bei einem Spaziergang über den Wall aufgenommen, an einem Abend voller Licht, Musik und Magie.
Zu welcher Oper würde das Bild passen? In Frage kämen Purcells "Dido and Aeneas", Verdis "Macbeth" oder Debussys "Pelleas et Melisande". Auch die Assoziation zu Fortners "Bluthochzeit" ist nicht abwegig, ganz im Gegenteil.
6. November 2025
Die Reaktionen, die Musik hervorruft, sind keine Gefühle, sondern Bilder und Erinnerungen an Gefühle.
Paul Hindemith (1895 – 1963)
2. November 2025
In diesem Jahr habe ich einige sehr schöne, zum Teil herausragende Opernaufführungen gesehen. Für manche von ihnen wäre "erlebt" das treffendere Wort, so z. B. für "Die Hochzeit des Figaro" in Meiningen, "La Traviata" in Straßburg und natürlich "Ariodante" in Paris. Auch die Produktionen in Wien ("Proserpine", konzertant) und Dresden ("Tosca") waren von hohem Niveau. Nur ein, zwei Vorstellungen auf meiner Besuchsliste waren eher durchschnittlich, was aber in Ordnung ist und zum Leben eines passionierten Operntouristen dazugehört.
Wie es aussieht, wird im Dezember die selten gespielte Oper "Fedora" von Umberto Giordano (1867 – 1948) in der Deutschen Oper Berlin meine letzte Station für dieses Jahr sein. Das Haus hat meine ohnehin vorhandene Vorfreude mit seinem nachfolgenden Webseiten-Text noch einmal erheblich gesteigert.
Zwischen Politthriller und Kriminalstück, tragischem Liebesdrama und packendem Psychogramm bewegt sich Umberto Giordanos FEDORA. Vorlage bildete das gleichnamige Theaterstück von Victorien Sardou, eben jenem französischen Dramatiker, der schon für Puccinis TOSCA Pate stand. Die umjubelte Uraufführung von FEDORA 1898 im Mailänder Tetro Lirico wurde zum musikhistorischen Großereignis, verhalf sie doch einer der größten Sängerlegenden zum Durchbruch: Enrico Caruso, welcher der heute berühmtesten Nummer, der Arie „Amor ti vieta“, einen Platz im kollektiven Gedächtnis verschaffte. In der Folge eroberte das Werk die internationale Opernwelt und wurde bald schon in Wien, Paris, Hamburg und an der New Yorker MET gespielt. Als größter Erfolg Giordanos neben ANDREA CHÉNIER begeistert FEDORA bis heute mit üppigen Klangfarben und ikonischen Melodien.
29. Oktober 2025
Als Künstler ist man nie mit irgendetwas zufrieden, das man tut.
Kate Bush
22. Oktober 2025
Eine beeindruckende Aufführung der Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini in der Semperoper erlebten 42 Operninteressierte, die in der letzten Woche an einer von mir geleiteten Reise nach Dresden teilgenommen haben. Zum Programm gehörten neben der Opernaufführung eine dreistündige geführte Stadtbesichtigung sowie ein Besuch von Schloss Moritzburg . Darüber hinaus blieb während des dreitägigen Aufenthaltes Zeit für eigene Erkundungen der zahlreichen kulturellen, historischen und nicht zuletzt gastronomischen Attraktionen der sächsischen Landeshauptstadt. Das Foto zeigt die Gruppe vor dem Eingang zur Semperoper.
15. Oktober 2025

Am Vorabend unserer Reise nach Dresden, wo wir am Samstag Puccinis Tosca in der Semperoper sehen werden, hier ein paar Sätze des Komponisten über seine Arbeit, namentlich zum letzten Akt der Oper.
Das Duett des dritten Akts war schon immer die große Klippe. Aber die Dichter haben mir da (ich rede vom Schlussteil) nichts Gutes und nichts Wahrhaftes geliefert: akademisch, immer nur akademisch, lauter abgedroschene Liebesphrasen. Ich musste viel arrangieren, um zu einem Ende zu gelangen und um jeden Eindruck des Akademischen zu vermeiden... Ich wiederhole, es ist kein Hochmut, der aus mir spricht, es handelt sich nur um die Verteidigung meiner Arbeit, die ich reiflich überlegt habe und die mich so viele Gedanken gekostet hat.
14. Oktober 2025
Frage
"Liebst du mich auch?" – Die Frage drang
Aus ihrer Brust mit Sehnsuchtshauch,
Gleich einem Schwur so fest erklang
Ihr meine Antwort: "Ja, dich auch!"
Arthur Rehbein (1867 – 1952)
10. Oktober 2025
Händels "Ariodante" im Palais Garnier (Inszenierung Robert Carsen) war ein großartiges Erlebnis. Der exquisite Mehrklang, bestehend aus Paris, dieser wunderbaren Stadt, dem gleichermaßen prunkvollen wie geschichtsträchtigen Opernhaus, einer der schönsten Händel-Opern, der Besetzung mit herausragenden Solisten (u. a. Cecilia Molinari, Sabine Devieilhe und Christophe Dumaux) und dem Ensemble Pygmalion unter Raphaël Pichon mündete in eine Erfahrung, die lange in Erinnerung bleiben wird.
Ich kann mich nicht entsinnen, über vier Stunden (mit zwei Pausen) eine derart sensible, fantasievolle, klanglich differenzierte und leidenschaftliche Darbietung von barocken Opernklängen erlebt zu haben. Raphaël Pichon ist ein Klangzauberer, der sein Ensemble mit einer unwiderstehlichen Piano-Kultur ausstattet, einzelne Phrasen elastisch, dynamisch klug und verständig gestaltet sowie außer Geschmack und Stilkenntnis vor allem eines hat: Zeit. Manche Passagen dirigiert er so gut wie nicht – er lässt spielen, er hört zu, er zelebriert das Vertrauen in die Kunst der Musizierenden, den Emotionsgehalt der Musik gemeinsam aufzuspüren. Lange nicht mehr habe ich Ritardandi und Diminuendi, überhaupt musikalische Spannungsverläufe derart berührend musiziert erlebt.
1.979 Plätze hat die Opéra Garnier, die Vorstellung war fast ausverkauft. Das Publikum, wir alle waren hingerissen, geradezu geflasht. Sollten beim nächsten Mal TGV und ICE ausfallen, gehe ich notfalls zu Fuß.
7. Oktober 2025
Heute war in der Schule eine Schweigeminute. Da muss man eine Minute lang schlimme Sachen denken und dann hoffen, dass sie vorbeigehen.
Ildikó, 6
2. Oktober 2025
Die Haltung von Schafen, Ziegen und Rindern im Freien entspricht am ehesten ihren Bedürfnissen. Tageslicht, frische Luft und unterschiedliche Wetterbedingungen kommen ihrer Gesundheit zugute. Eisige Temperaturen, die wir Menschen als unangenehm und frostig kalt empfinden, vertragen Schafe (und übrigens auch Rinder) ohne gesundheitliche Schäden. Ausgewachsene Schafe können bis zu minus 15 Grad Celsius aushalten.
(Quelle: www.landwirtschaft.de)
Das Foto habe ich bei einem Spaziergang durch den Göttinger Stadtwald gemacht und wurde dabei von einigen Tieren neugierig beobachtet, vor allem von Uwe, dem Schaf vorne rechts.
30. September 2025
Vor fast zwanzig Jahren hat Kenneth Branagh sich Mozarts "Zauberflöte" angenommen und einen Spagat zwischen Film und Oper versucht. Nicht wenige Rezensenten schrieben damals, die Filmversion sei mehr etwas für Opernfans und treue Bühnenzuschauer, weniger für ein Massenpublikum. Durch die Verlegung der Handlung in die Schützengräben des 1. Weltkrieges sei das Ambiente düster und schwer, die Schrecken des Krieges verdeckten die Leichtigkeit der Musik, die ja jenseits von Sarastro und Königin der Nacht durchaus vorhanden ist. Es sei schade, so David Siems in seiner damaligen Besprechung, "dass sich der Regisseur nicht getraut hat, den Schritt noch konsequenter aus dem statischen Opern-Ambiente heraus zu wagen und sich auf die filmischen Erzählmittel zu konzentrieren."
Im Operntreff gab es gestern dazu eine lebhafte Diskussion. Von "Wie kann man sowas nur machen" bis "Warum eigentlich nicht" war alles vertreten. So soll es sein!
25. September 2025
Ein Kreis von 14 an Musik, Geschichte und Politik Interessierten hatte sich am letzten Mittwoch an der VHS Gütersloh zur Veranstaltung über "Verbotene Musik" zusammengefunden – wie schön! Wir hörten Musik und sahen Dokumentationen zu Bartók, Hindemith, Schostakowitsch und Lutosławski. Anschließend diskutierten wir über Kompositionsprozesse, Stilmerkmale, musikalische Parameter, Aufführungsverbote, Repressionen, versteckte musikalische Botschaften und manches mehr.
Die VHS hatte die Veranstaltung in einer kurzen, informativen Pressemitteilung beworben, die vom "Westfalenblatt Gütersloh" gleich dreimal veröffentlicht wurde. Beiden – VHS und Westfalenblatt – ein großes Dankeschön!
21. September 2025
Das Schloss Wilhelmsthal in Calden gilt als eines der schönsten Rokokoschlösser Deutschlands. Zusammen mit seinem weitläufigen Park, der ganzjährig frei zugänglich ist, bildet es ein sehenswertes Ensemble. Bei wunderschönem Spätsommerwetter hat der Park mich gestern zu Entspannung und Inspiration eingeladen. Gefunden habe ich den Tipp im Buch "Rund um Kassel. Wandern für die Seele" von Julia Friedrich (ISBN 978-3-7700-2626-5, Droste Verlag, 1. Aufl., Mai 2025). Beschrieben sind darin 20 Touren für Naturliebhaber sowie Genussmenschen und bieten Wohlfühlwege für jede Stimmung.
19. September 2025
Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, dann sind sie langweilig.
Theodor Fontane (1819 – 1898)
16. September 2025
Gestern war Neustart des "Operntreffs" an der VHS Göttingen, auf dem Programm stand Webers "Freischütz". Ich hatte die Aufnahme von 1999 aus dem Opernhaus Zürich ausgewählt, in der Ruth Berghaus für die Regie und Nikolaus Harnoncourt für die musikalische Leitung verantwortlich sind. Die Riege der Sängerinnen und Sänger ist in der Produktion mit Peter Seiffert, Inga Nielsen, Malin Hartelius und Matti Salminen prominent besetzt. Es musizieren Chor und Orchester der Oper Zürich.
Im Operntreff stieß vor allem das Bühnenbild auf wenig Verständnis. Ruth Berghaus inszeniert Webers Erfolgsoper düster, reduziert und als kompromisslose Absage an farbenfrohe Folklore. Guido Fischer beschreibt in seiner damaligen RONDO-Rezension Berghaus' Interpretation als "einzige, schauerliche Phantasmagorie" vor abgeholztem Wald und die Wolfsschlucht als "gefährlich glatte, schiefe Ebene" - ein "seelenloser Spuk". Über Webers geniale Musik wurde gestern kaum gesprochen, wahrscheinlich waren die Bilder zu gespenstisch, zu beklemmend. Ich musste an James Bond denken und an die Abwandlung eines Zitats aus "Quantum of Solace" (Ein Quantum Trost): "This Freeshooter isn't for everyone."
10. September 2025
Besonders eindrucksvoll, und das darf hier nicht zu kurz kommen, war der allabendliche Blick aus dem Hotelzimmer auf das Meeresforschungszentrum (Morskie Centrum Nauki). Es befindet sich auf der Stettiner Lastadie, ist gebaut wie ein Schiff und beherbergt eine Dauerausstellung mit vielen interaktiven wissenschaftlichen und technischen Exponaten. An Wochenendabenden ist die Fassade in wechselnden Farben spektakulär beleuchtet. Dass gleich daneben die Hafenkirmes mit ihrem bunten Riesenrad zu bewundern war, mag einen schönen Zufall nennen, wer nicht an höhere Mächte glaubt.
9. September 2025
Erst am letzten Samstag bin ich aus Stettin zurückgekehrt, wo ich ein paar ausgesprochen schöne Tage verbracht habe. Es ist eine Stadt, die ich mir sozusagen "ersuchen" musste, um in den Genuss kleinerer wie größerer Entdeckungen zu kommen. In der sogenannten Altstadt – die Neustadt ist älter – gibt es ein paar hübsche kleine Gassen und Plätze, der Plac Grunwaldzki mit den sternförmig abgehenden Straßen bietet dagegen geradezu großstädtisches Flair. Einen Besuch wert sind das herrlich altmodische Café Wedel und das kultige Fischrestaurant Paprykarz.
Ein unerwartetes Klangerlebnis hatte ich in der neuen, futuristisch anmuten Philharmonie mit einem Konzert der sinfonischen Big Band Stettin und einigen sehr namhaften Solisten, darunter der Folkmusiker Wolfgang Meyering, der zusammen mit seinem Bandoneon spielenden Kollegen Ernst Poets auftrat. Sie zauberten gemeinsam mit der Big Band traditionelle, beinahe vergessen geglaubte Melodien in den Saal und gaben für ein paar Minuten Gelegenheit, sich in nostalgische, wehmütig parfümierte Klänge zu vertiefen. Wunderbar!
31. August 2025
Vom 02. – 06. September halte ich mich zu einem Kurzbesuch in Stettin auf. Die siebtgrößte Stadt Polens (ca. 400.000 Einwohner) ist historisch, kulturell sowie touristisch bedeutsam und ohne Frage ein attraktives Reiseziel. Ich war noch nicht dort und freue mich auf viele interessante und spannende Impressionen. Bis zum nächsten Wochenende!
28. August 2025
Morgen spreche ich im Augustinum Kassel im Rahmen der zwölfteiligen Reihe Loben und preisen, trauern und klagen über Hymnen und Psalmen. Neben Werken von Poulenc, Kodály, Strawinsky und Bernstein werde ich die Kantate "Über den 62. Psalm" von Reinhard Keiser (1674 – 1739) vorstellen. Keiser, schon zu Lebzeiten hochangesehener Opernkomponist der Hamburger Oper am Gänsemarkt, später dann Domkapellmeister der Hansestadt, schreibt 1714 die "Musicalische Land-Lust", in der sich die genannte Kantate findet. Es geht darin um Vertrauen, Harren und Hoffen auf Gott im Kampf gegen die Bosheit, deren Wesen in schönster barocker Sprache ("auf allerneueste Texte von Menantes") ausgeführt ist.
24. August 2025

Paris, Palais Garnier
Händel, Ariodante
Inszenierung: Robert Carsen
Choreografie: Nicolas Paul
Il Re di Scozia: Luca Tittoto
Ginevra: Jacquelyn Stucker
Ariodante: Cecilia Molinari
Lurcanio: Rupert Charlesworth
Polinesso: Christophe Dumaux
Odoardo: Enrico Casari
Dalinda: Sabine Devieilhe
Chor und Orchester der Opéra national de Paris
Musikalische Leitung: Raphaël Pichon
Händels "Ariodante" ist eine seiner musikalisch reichsten, virtuosesten und facettenreichsten Opern. Uraufgeführt im Januar 1735 und als Ergebnis der Zusammenarbeit mit der französischen Starballerina Marie Sallé finden sich in "Ariodante" gleichermaßen ungewöhnliche wie hinreißende Balletteinlagen, dazu melodisch wie dramatisch kunstvollste Arien und Ensembles.
Vorstellungen vom 16. September bis 12. Oktober 2025. Ich bin am 09. Oktober vor Ort, 19.00 Uhr. Tarif Plein Cat. 2, 32-36, 2e loge de face.
21. August 2025
Mit einem Kollegen habe ich heute darüber gesprochen, dass häufig Komponisten zu Paaren geordnet werden, die keine sind. Oft hören wir von "Bach und Händel", von "Debussy und Ravel", von "Verdi und Puccini". Die einzelnen Personen der vermeintlichen Paare unterscheiden sich doch sehr voneinander, und das nicht nur in musikalischer Hinsicht. Die jeweilige Zugehörigkeit zur gleichen Epoche spielt bei "Paarbildungen" eine nicht unwesentliche Rolle, insbesondere Ähnlichkeiten hinsichtlich der Besetzung oder der Orchestergrößen, der zur Verfügung oder in Mode stehenden Instrumente etc. können die leichtfertige Bildung von sprachlichen Zwangsduos begünstigen. Keinesfalls geht mit der Reihenfolge eine Wertung einher, jenseits aller subjektiven Präferenzen. Eine alphabetische Reihenfolge können wir mit Verweis auf das letztgenannte Paar ebenfalls ausschließen. Sind es die biografischen Daten – also wer später stirbt, wird auch später genannt? Machen wir die Probe und tauschen die Reihenfolge, so spüren wir gleich eine ungewohnte Holprigkeit. Niemand sagt "Puccini und Verdi", auch nicht "Mozart und Haydn".
Übrigens, mal weg von der Musik, besucht auch niemand "Lothringen/Elsass". Ist es die Anzahl der Silben? Also lieber 2+3 (Trochäus plus Daktylus) statt umgekehrt 3+2? Geht uns das leichter über die Lippen? Warum wird Lothringen als zweites genannt? Für kulinarisch Interessierte: Am Essen liegt es nicht, davon konnte ich mich im Sommer ausgiebig überzeugen.
15. August 2025
Kalendersprüche, gefunden hier und da
Lasst uns das Licht löschen – das spart nicht nur Energie, wir können auch die Finsternis beklagen!
André Kostolany (1906 – 1999)
Unkraut säe stets im Garten des Nachbarn aus; es wächst dort besser.
Hedwig Courths-Mahler (1867 – 1950)
Dich habe ich aber lange nicht gesehen. Wurdest du entführt?
Gustav (5)
Wer morgens betet, hat den ganzen Rest des Tages Zeit für Spaß und Sauereien.
Marilyn Monroe (1926 – 1962)
Lobe den Brunnen, in den deine Schwiegermutter gefallen ist, aber schöpfe kein Wasser daraus.
Aus Andalusien
Keiner ist zu arm dafür, es kostet nichts, bewirkt doch viel und erhält seinen Wert erst, wenn man es weitergibt: ein böses Wort.
Balthasar Gracián (1601 – 1658)
9. August 2025
Zum x-ten Mal lese ich in einem Text über Merkmale der deutschen Sprache, dass etwas "grammatikalisch" richtig oder falsch sein kann, wenn denn etc. pp. Der Duden erlaubt offensichtlich die gleichberechtigte Verwendbarkeit von "grammatisch" wie von "grammatikalisch". Schlimm genug, aber er erlaubt ja auch "gewunken" – aber nur, wenn ich zuvor über die Straße gehunken bin, als die Sterne geblunken haben. Und zwar so, als hätte ich nicht obendrein meine Pokerfreunde mit gezunkenen Karten gelunken und ihnen dabei zugewunken, haha.
Zurück zur Grammatik, oder – da ja "grammatikalisch" ebenso erlaubt sein soll – auch zur Grammatikatik. Wenn ethikalische und logikalische, mitunter auch thermikalische und arithmetikalische sowie mathematikalische (nicht: physikalische, die Physis muss hier doch sehr bitten!), in seltenen Fällen auch statistikalische, überdies nautikalische oder gar zynikalische Gründe vorliegen, wäre aus hermeneutikalischer und, oh ja, semantikalischer Sicht auch "grammatikalisch" zu vertreten. Übrigens, da ich die Verfechter von "musikalisch" schon mit den Hufen scharren höre: Musisch ist was anderes.
8. August 2025

Opernreise vom 16. – 19. Oktober 2025
Semperoper Dresden – Puccini, Tosca
Fahrt Göttingen-Dresden und zurück im modernen Fernreisebus, 3x Ü/F (EZ oder DZ) im Leonardo Hotel Dresden (***), ca. dreistündige Stadtführung, Besichtigung und Führung Schloss Moritzburg, Opernticket Kategorie I (Vorstellung Semperoper am 18.10., 19.00 Uhr)
Details (Buchungsmodalitäten, Uhrzeiten, Preise etc.) auf Anfrage
Es gibt noch einen letzten freien Platz im EZ!
Pause bis zum 6. August 2025
17. Juli 2025
Erfolg ist kein Hafen, sondern eine gefährliche Fahrt in unbekannte Gewässer.
Richard Nixon (1913 – 1994)
13. Juli 2025

Es freut mich sehr, dass die Zusammenarbeit mit der Göttinger Händel-Gesellschaft nun zu unserer ersten gemeinsamen Opernreise führt:
Vom 08.-10. November 2025 geht es in die Oper Frankfurt, wo Händels Giulio Cesare in Egitto (Inszenierung Nadja Loschky) in erlesener Besetzung auf dem Spielplan steht, u. a. mit Jurij Mynenko als Cesare, Kateryna Kasper als Cleopatra und Lawrence Zazzo als Tolomeo. Die musikalische Leitung hat Laurence Cummings, langjähriger musikalischer Leiter der Internationalen Göttinger Händel-Festspiele. Nachfolgend die "Bausteine" der Reise:
Einführungsvortrag (ca. 1,5 Stunden)
Fahrt Göttingen-Frankfurt und zurück im modernen ****Fernreisebus
2x Ü/F (EZ oder DZ) im ****Holiday Inn Frankfurt Alte Oper
Stadtbesichtigung (ca. 3 Stunden)
Opernticket Kategorie II (Vorstellung am 09.11. um 15.30 Uhr, Dauer ca. 4 Stunden mit zwei Pausen)
Reisebegleitung
Details (Buchungsmodalitäten, Uhrzeiten, Preise etc.) auf Anfrage
11. Juli 2025

Mit meinem Seminar "Amerikanische Oper von Gershwin bis Glass" habe ich im Nachhinein – jetzt, wo das Semester sich dem Ende zuneigt – eine gute Wahl getroffen. Mit Werken von Gershwin, Bernstein, Barber, Glass, Adams, Menotti und Heggie habe ich meinen Hörerinnen und Hörern viel Neues gezeigt und auch selbst, wie im Falle von Heggie, mir zuvor Unbekanntes und Spannendes entdeckt. Insgesamt fallen die Kommentare sehr positiv aus, was mich ermutigt, über eine Erweiterung dieses Seminarangebotes nachzudenken. Jake Heggies Moby-Dick aus San Francisco hat heute Vormittag ziemlich Furore gemacht. Und hier stimmt einfach alles: Die spannende Erzählung, die packende Musik mit großartigen Solisten und wuchtigen Chören, die bildgewaltige Inszenierung. Toll!
5. Juli 2025
Eine sehr intensive, gerade zu Ende gegangene Arbeitswoche beinhaltete Vorträge und Seminare u. a. über Verdis "Rigoletto" (VHS Göttingen), "Le sacre du printemps" von Strawinsky in zwei Choreografien von Uwe Scholz (UDL Göttingen), Bachs "Johannes-Passion" und Händels "Brockes-Passion" (Augustinum Kassel), Komponistinnen aus vier Jahrhunderten (Frau und Kultur Gießen) und Menottis Oper "Goya" (UDL Göttingen).
In allen Veranstaltungen gab es Diskussionen, zunächst über Wahrnehmung und Wirkung der Musik wie ebenso der Bilder. Sozusagen der erste Schritt, das Entrée in die weitere Betrachtung. Dann: Welche Emotionen setzt die Musik frei, und wie und warum geschieht das? Welches sind die kompositorischen und klangsprachlichen Mittel? Wir besprechen Altbekanntes: Takt, Rhythmus, Harmonik, Tempo, Tonart, Klangfarbe (und Farbklang!), Besetzung, Text. Bisweilen, interpretierend: Erwartung, Zeit, Raum. Und, natürlich: Musik ist mehr als die Summe der Töne. In dieser Woche: Glück, Tod, Liebe, Sinn.
26. Juni 2025
Nach meinem Vortrag über polnische Komponisten des 20. Jahrhunderts gestern in der Ringvorlesung der UDL erhielt ich einen besonders schönen Kommentar von einem der anwesenden Hörer: "Ich habe von Musik keine Ahnung und habe wegen der Wärme auch überlegt, ob ich überhaupt heute kommen soll. Jetzt bin ich hier, und das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte."
19. Juni 2025
Es war mein drittes Live-Konzert mit Christophe Rousset und sein Ensemble Les Talens Lyriques. Nach den umwerfend klangschönen Aufführungen von Cavallis La Calisto und Legrenzis La divisione del mondo, beide in Straßburg, war ich nun auf Proserpine von Lully im Theater an der Wien gespannt. Nun, damit kein Missverständnis aufkommt: Es war eine sehr gute Aufführung, wie immer hochprofessionell, versiert und spielfreudig. Rousset ist ein herausragender, souveräner Dirigent und Cembalist, sein Ensemble bietet die Gewähr hoher Musikalität, der Kammerchor Namur singt homogen und ausdrucksstark. Diese Qualitäten waren allesamt und unzweifelhaft vorhanden.
Dennoch hatte der Abend nicht den verführerischen, betörenden und unwiderstehlichen Charme, den die Akteure mit ihrer Musik normalerweise verströmen. Das lag zum einen an den stimmlich nicht auf gleichem Niveau singenden Solisten – Barockdiva Veronique Gens zum Beispiel blieb unter ihren Möglichkeiten. Zum anderen, und das wiegt schwerer, vermittelte sich der Eindruck einer nicht zu jeder Zeit vollständig ausgeloteten musikalischen Emotion. Waren die schnellen, furios und draufgängerisch gespielten Sätze packend und mitreißend, so fehlte den langsamen Passagen oftmals die notwendige "Erzählzeit". Die letzten Momente des Ritardandos, das Nachspüren des Ausdrucks, der Klang der Ruhe, die Stille – das gab es leider zu selten und ist für Rousset sehr ungewöhnlich. So war es zwar eine hochwertige und allemal lohnende Aufführung, doch die wohligen, Körper, Geist und Seele durchflutenden Schauer blieben diesmal aus.
15. Juni 2025
Eine „Klimaoper“ des 17. Jahrhunderts, so ist auf der Webseite des Theaters an der Wien zu lesen, bringen Christophe Rousset und sein Ensemble Les Talens Lyriques in das MusikTheater an der Wien: War die Welt durch heftige Kämpfe der Götter in ewigen Winter gestürzt, so kann durch das Eingreifen Jupiters wieder Frühling einkehren.
Jean-Baptiste Lullys 1680 entstandene Tragédie en musique Proserpine kennzeichnet den Beginn einer neuen Schaffensphase des barocken Klangzauberers – melodisch ausdrucksvolle Arien und Ensembles nehmen größeren Raum ein als in seinen frühen Musikdramen. Christophe Rousset bringt die selten gespielte Oper zum ersten Mal nach Wien.
Ich sitze am kommenden Dienstag im 1. Rang links, 2. Reihe, Sitz 2. Die Vorfreude ist riesengroß.
14. Juni 2025
Angeblich zeigt ein Experiment von Wissenschaftlern bezüglich der Reaktion auf Livemusik bei den Dresdner Musikfestspielen, dass das gemeinsame Erleben von Musik glücklich macht. Verantwortlich dafür sei eine bestimmte Reaktion im menschlichen Körper, nämlich die Ausschüttung des Glückshormons Oxytocin, auch "Kuschelhormon" genannt. Intendant Jan Vogler bringt es auf den Punkt: "Musik ist sogar besser als Küsse oder Sex." Vielleicht sollten die beiden hier Abgebildeten es mal mit einem Konzertbesuch probieren.
12. Juni 2025
Agrippina in Halle war insofern interessant, als sich wieder einmal gezeigt hat, dass eine Regie, ein Team, ein Haus dem Werk, das es präsentiert, gleich mehrere Stempel gleichzeitig aufdrücken kann. In der Einführung hieß es, eigentlich sei das Stück eine Operette. Händel habe hier viel Tanzmusik hinein gegeben (diese sei ja das Kennzeichen einer Operette), die Handlung sei augenzwinkernd und ironisch zu verstehen. Um den dreistündigen Verlauf flüssig und abwechslungsreich zu halten, wurden viele da-capo-Teile gestrichen. Das ist – hat man den beschriebenen Ansatz gewählt – nachvollziehbar, stellt aber die musikalische Leitung sowie Sängerinnen und Sänger vor das Problem, für jeden einzelnen "Strich" eine plausible Begründung zu haben, die nicht immer in der Musik selbst zu finden ist. Kurzum, ein im wahrsten Sinne des Wortes bunter Nachmittag, in mehrfacher Hinsicht.
7. Juni 2025
Morgen geht es nach Halle zu den dortigen Händel-Festspielen. Ich sehe Agrippina, eine Art Politthriller um einen Nero-Stoff mit zwei der beliebtesten Zutaten großer Opern: Erotik und Macht. Händels erst sechste Oper (von insgesamt zweiundvierzig) wurde 1709 in Venedig uraufgeführt und gilt als sein erstes bedeutendes Meisterwerk für das Musiktheater. Die Webseite der Bühnen Halle verspricht "eine flippige Komödie der überdimensionalen Egos in einer dysfunktionalen First Family", was mich in der Tat sehr neugierig macht.
3. Juni 2025
Im "Operntreff" haben wir uns gestern mit dem zweiten und dritten Akt von Tristan und Isolde beschäftigt. Nachdem in der letzten Woche mehr Wagners Text und weniger seine Musik die Diskussion geprägt hatte, war es diesmal umgekehrt. Zu meinem Erstaunen war den meisten Anwesenden Wagners Klangsprache nicht zu schwer oder beladen. Die Wucht der Erzählung und die damit verbundene Herausforderung und Anstrengung für alle Beteiligten - auf der Bühne, im Orchestergraben sowie im Publikum - hat sich auf ganz natürliche Weise und unmittelbar erschlossen. Dass so etwas bei musikalischen Laien nicht nur den üblichen Verdächtigen wie Don Giovanni, Carmen oder Aida gelingt, sondern eben auch bei Tristan und Isolde klappen kann, freut mich sehr.
31. Mai 2025
Liebe Leserinnen,
liebe Leser,
während der vergangenen Wochen hat diese Webseite eine Auffrischung erhalten, in der Fachsprache einen Relaunch. Das Design wurde modernisiert, die Lesbarkeit verbessert, Optik und Technik sind auf dem neuesten Stand. Da dennoch keine "Revolution" stattgefunden hat, habe ich die begründete Hoffnung, dass meine Seite auch weiterhin Ihr und Euer Interesse finden wird. Herzlichen Dank für die Geduld während der letzten Zeit!
Es gibt neue Reisepläne für Herbst und Winter 2025/26. Zunächst geht es im September nach Warschau - eine Exkursion als Abschluss der Ringvorlesung an der UDL Göttingen. Wir werden historisch, politisch und kulturell bedeutsame Einrichtungen besuchen. Für die Reise, die auf der Hinfahrt über Posen und Toruń, auf der Rückfahrt über Frankfurt/Oder führen wird, gibt es noch freie Plätze! Im Oktober gibt es die nächste Opernreise, diesmal nach Dresden. In der Semperoper werden wir Puccinis "Tosca" in einer hochkarätigen Besetzung erleben. Neben einer Stadtführung gehört auch der Besuch von Schloss Moritzburg zum Reiseprogramm. Für die Fahrt gibt es noch Plätze auf der Warteliste. Im Februar 2026 wird es eine Ballettreise nach Leipzig geben (Choreografien von Uwe Scholz), im März dann eine Reise zum königlichen Opernhaus in Brüssel, La Monnaie (Mozart, Idomeneo).
Die Seminare, Kurse und Vorträge beschäftigen sich in den kommenden Wochen und Monaten mit Modernem Tanztheater, Programmmusik, Oper und verschiedenen Formen barocken Musiktheaters, mit Gattungen geistlicher Musik aus sechs Jahrhunderten und manchem mehr. Ein Bildungsurlaub zum Thema "Musik und Politik" ergänzt das Programm.
Ich freue mich auf regen Besuch, Diskussion und Austausch und viele spannende Stunden und Begegnungen!
Ihr und Euer
Thomas Sander
Pause bis zum 27. Mai 2025
30. März 2025
“Lorbeeren” – unter diesem Motto finden die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2025 vom 16. bis 25. Mai statt. Das diesjährige Festspielprogramm ist ambitioniert und vielfältig: Spannung und Nervenkitzel erwartet das Publikum in der Festspieloper “Tamerlano” (Premiere 17.5.), chorische Klanggewalt in Händels Oratorium “Solomon” (16.5.), stimmliche Brillanz in der Operngala mit Mezzosopranistin Ann Hallenberg (22.5.). Dazu gibt es zahlreiche Kammer- und Kirchenkonzerte, Vorträge und nicht zuletzt ein buntes und prall gefülltes Kinderprogramm in insgesamt 94 Veranstaltungen in und um Göttingen in vielen verschiedenen Spielstätten und Konzertformaten.
25. März 2025
Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz.
Brigitte Bardot (* 1934)
23. März 2025
Die vergangene Arbeitswoche war thematisch sehr abwechslungsreich und brachte ein paar erinnerungswürdige Begegnungen. Die Beschäftigung mit Leoncavallos “Pagliacci” (VHS Göttingen), ein Blick auf Leben und Werk von Hans Werner Henze (VHS Gütersloh), eine Annäherung an Modernes Tanztheater (Senioren-Uni Gütersloh) und ein Vortrag über Gustav Mahler (Deutsch-Österreichische Gesellschaft Wetzlar) fanden jeweils ein durchweg interessiertes Publikum. Hin und wieder schildern einzelne Besucher/-innen ihre Eindrücke, geben Auskunft über ihre Lieblingsstücke oder äußern Wünsche fürs nächste Mal. Besonders gefreut hat mich diesmal der Kommentar eines Musikfreundes aus Wetzlar, der mir im Anschluss an meinen Vortrag versicherte, er habe Mahler noch nie so gut verstanden wie an diesem Freitag. Für dieses schöne Kompliment, gleichzeitig Ansporn, habe ich dem Besucher aufrichtig und von Herzen gedankt, ist doch so eine Reaktion zwar angenehm, doch keineswegs selbstverständlich.
18. März 2025

Lesetipp: Nastassja Martin, An das Wilde glauben (Croire aux fauves)
aus dem Französischen, Matthes & Seitz Berlin, 2021
Auf einer Forschungsreise durch die russische Halbinsel Kamtschatka wird die Autorin von einem Bären gebissen und schwer verletzt. In aufwühlenden Worten erzählt sie von der Geschichte dieses Kampfes und von ihrer Genesung. Träume und Erinnerungen lassen Nastassja Martin umfassende Heilung in sich selbst und der Wildnis finden, in die sie nach einer qualvollen Genesungsgeschichte in russischen und französischen Krankenhäusern zurückkehrt. Die gerade einmal 140 Seiten sind eine packende, sehr berührende und nachhallende Lektüre. Eine Genrebezeichnung ist nicht möglich.
13. März 2025
Wissenschaftlich gesehen wären die wichtigsten Schulfächer Musik, Sport, Theaterspielen, Kunst und Handarbeit.
Manfred Spitzer, Hirnforscher
10. März 2025
Heute Abend im Opernkurs beschäftigen wir uns mit Herzog Blaubarts Burg, der einzigen Oper von Béla Bartók. Der Komponist schrieb das Stück 1911 innerhalb von nur sechs Monaten, die Uraufführung erfolgte 1918 im Opernhaus von Budapest. Die Klangsprache ist knapp und konzentriert, der Grundton dunkel, ja zuweilen eisig. Es gibt Anklänge an Debussy, doch besonders intensiv wird die Tonsprache, wenn Volksmusik von Ungarn bis Siebenbürgen anklingt. Allerdings wirken diese regionalen Einflüsse nicht aus sich selbst, sondern sind in Bartóks hier dissonant aufgeladenen Stil integriert. Das kurze Werk – die Spieldauer beträgt etwa eine Stunde – ist keine Action-Story, sondern ein Drama um Einsamkeit, Schicksal und Ausweglosigkeit. Der Titel bezeichnet keinen pittoresken Schauplatz als vielmehr einen verletzlichen (und verletzten) Seelenraum.
6. März 2025
Heute, genau einen Tag vor Maurice Ravels 150. Geburtstag, erscheint in Deutschland Anne Fontaines Film “Bolero” (2024). In einer Rezension lese ich, dass Ravels Meisterwerk (“Es ist mein populärstes und erfolgreichstes Stück, leider enthält es keine Musik”) weltweit alle fünfzehn Minuten gespielt wird. Wer findet so etwas heraus? Und wozu? Vielleicht liegt ja nur ein Verständnis- oder Übersetzungsfehler vor, und gemeint ist die Aufführungsdauer des Stücks. Egal – Fontaines Bilder sind hochsensibel, stimmungsvoll und sehr poetisch. In historischer Kulisse zeigen sie den kreativen Schaffensprozess Ravels und seine permanente Suche nach Inspiration und perfektem Ausdruck. Sehenswert!
28. Februar 2025
Es ist besser, dem Traummann im Traum zu begegnen als in der Wirklichkeit. Aus dem Traum kann man immerhin aufwachen.
Jeanne Moreau (1928 – 2017)
25. Februar 2025

Ich sei schockverliebt in diese Musik, und zwar seit fünfzig Jahren, habe ich gestern im “Operntreff” gesagt und hinzugefügt, dass ich manchmal übertreibe, doch diesmal nicht. Wenn, wie bei dieser Produktion, Musikalität und Virtuosität, Fantasie und Spielfreude, Ideenreichtum und Darstellungskunst hinzukommen, bietet Lully einen außergewöhnlichen Genuss, der unseren Dreiklang von Körper, Geist und Seele in berührende Schwingungen versetzt. Ein großes Glück, nicht mehr und nicht weniger.
20. Februar 2025
Die Tanten Ludwigs XVI. nannten dessen Ehefrau Marie-Antoinette verächtlich l’Autrichienne, „die Österreicherin“. Ein böses Wortspiel, denn im Französischen wird es beinahe wie l’autre chienne („die andere Hündin“) ausgesprochen. Dagegen sind moderne Sprachschöpfungen, insbesondere zu Zwecken der Werbung und des Marketings, mindestens ebenso pfiffig, gleichwohl ohne Häme. Zu einer Klaviatour lädt ein Göttinger Unternehmen in seine Geschäftsräume ein, zu Haselgenuss ein Obst- und Gemüsehändler. Besonders kreativ zeigen sich Friseursalons: Vorhair-nachhair heißt es da, auch Abschnitt oder Schnittstelle. Hairlich! Und nach wie vor großartig bleibt der Geistesblitz, der Volkswagen vor Jahren ereilte für seine mit neuer Technik angetriebenen Fahrzeuge: Allllrad!
18. Februar 2025
Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.
Willy Brandt (1913 – 1992)
17. Februar 2025

“Der Hinner ist ausverkauft!” Mit diesem Satz eröffnet mir eine Freundin, dass es für meinen Vortrag über den Komponisten Philipp Joseph Hinner am kommenden Freitag im Wetzlarer Haus Friedwart keine Plätze mehr gibt. Sozusagen im altehrwürdigen Wohnzimmer der Familie Leitz (Leitz-Optik) spreche ich zum Semesterauftakt der VHS Wetzlar. Dass es im Vorfeld ein so großes Interesse gibt, ist gleichermaßen schön wie überraschend, ist doch Philipp Joseph Hinner nur wenigen Musikinteressierten bekannt. Der Umstand allerdings, dass er es als junger Deutscher bis an den französischen Königshof, hier zum Harfenmeister und Lehrer von Königin Marie-Antoinette gebracht hat, macht neugierig. Die Musikwissenschaft weiß nicht allzu viel über den Komponisten. Von dem Wenigen, was bekannt ist, werde ich am Freitag etwas erzählen.
Pause bis zum 16. Februar 2025
2. Februar 2025
30. Januar 2025
Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser.
Giuseppe Verdi (1813 – 1901)
28. Januar 2025
Der französische Regisseur Benjamin Lazar, bekannt für seine gleichermaßen innovativen wie die Psyche imprägnierenden Inszenierungen, überraschte die Musikszene 2016 mit der Produktion von Traviata – Ihr verdient eine bessere Welt. Für das Bühnenstück verband er die Musik aus Verdis “La Traviata” mit Dialogen aus Alexandre Dumas’ Roman “Die Kameliendame” und ergänzte dazu Abschnitte aus Werken von Baudelaire und Gautier. Mit dem Kammerorchester, rigoros verkleinert auf acht Instrumente (Violine, Cello, Klarinette, Flöte, Kontrabass, Akkordeon, Horn und Posaune), lassen die Arrangeure Florent Hubert und Paul Escobar Verdis Musik in neuem klanglichen Gewand erscheinen. “Schwere Opiumschwaden, betörender Blumenduft und weiße Gazeschleier schaffen einen diffusen Raum”, begeistert sich der “Klassikkalender”. Judith Chemla in der Titelrolle ist als Sängerin und Schauspielerin hinreißend wie immer, Damien Bigourdan gibt den verliebt-verzweifelten Germont ausdrucksstark und überzeugend.
Das außergewöhnliche, sehenswerte Stück lief lange im Théâtre des Bouffes du Nord, wurde von Corentin Leconte 2018 verfilmt und ist auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Unbedingt anschauen!
26. Januar 2025
“Wer nichts weiß, muss alles glauben”, sagt Marie von Ebner-Eschenbach. Das klingt ganz richtig, und ist es wohl auch. Die Frage aber, was wir wirklich wissen, beschäftigt nicht nur Philosophen seit Jahrhunderten und länger. Es geht nicht allein um Fakten: Beethovens “Egmont”-Ouvertüre steht in f-Moll und endet in Dur. Das ist die Realität, ganz einfach. Die Wirklichkeit dagegen hat eine Wirkung (sic!), die Spielräume lässt, nach Interpretationen verlangt, Erklärungen provoziert. Was wissen wir? Was glauben wir zu wissen? In Umkehrung des Eingangszitats könnten wir sagen, dass alles wissen muss, wer nichts glaubt. Komponiert Brahms in seinem Deutschen Requiem das Unwiederbringliche oder das Unaufhörliche? Geht der Film “Die leisen und die großen Töne” (En Fanfare, F 2024) gut aus oder nicht? Wir können von etwas überzeugt sein – auch so sehr, dass wir glauben, wir wüssten es. Es ist grundsätzlich nichts Schlechtes daran, an den Zweifel zu glauben. Und selbst das können wir in Zweifel ziehen, solange wir es nicht besser wissen.
22. Januar 2025
In den verbleibenden drei Doppelstunden des Mozart-Seminars an der UDL Göttingen werden wir uns zunächst mit “La Clemenza di Tito”, anschließend dann mit der “Zauberflöte” beschäftigen. Während das letztere Stück seit seiner Entstehung unverändert beliebt ist und Dauerpräsenz auf den Spielplänen der Opernhäuser zeigt (trotz mancherlei Unverständlichkeiten), so führt “Titus” demgegenüber zwar kein Schattendasein, erreicht aber bei weitem nicht die Popularität von Tamino, Sarastro und Co. Wir werden insofern genau hinhören, aber auch hinschauen. Mozart schreibt im “Titus” vor allem rhythmisch außerordentlich differenziert, mit Feinheiten, die bei zu schnellen Tempi nicht wahrnehmbar sind. Um den Reichtum des Ausdrucks zu erkennen, hilft ein Blick in die Noten. Dann, wenn wir wissen, was dort steht, können wir uns die Musik sozusagen leichter “erhören” und besser verstehen. Bis Freitag!
15. Januar 2025

Apollinariskirche Remagen
© John Sander
12. Januar 2025
Wir leben in einer Welt, in der Beerdigungen wichtiger sind als der Verstorbene, die Ehe wichtiger ist als Liebe, das Aussehen wichtiger als die Seele. Wir leben in einer Verpackungskultur, die Inhalte verachtet.
Anthony Hopkins
9. Januar 2025
Zum Einstieg in die 12-teilige Vortragsreihe “Loben und preisen, trauern und klagen – Gattungen geistlicher Musik aus sechs Jahrhunderten” im Augustinum Kassel haben wir uns gestern mit dem ersten Teil ausgewählter Messvertonungen befasst. Aus Palestrinas Missa Papae Marcelli, Bachs h-Moll-Messe, Mozarts Requiem und Schuberts Messe in Es-Dur waren die jeweiligen Kyrie-Sätze im Vergleich zu hören, dazu das Offertorium aus Mozarts Requiem. Die unterschiedliche Behandlung des immer gleichen, kurzen Textes hinsichtlich beinahe sämtlicher musikalischer Parameter (Harmonik, Rhythmik, Dynamik, Satztechnik, Besetzung/Klangfarbe etc.) war für die Zuhörenden “eine aufschlussreiche Reise durch die Musikgeschichte”, wie jemand es ausdrückte. Im Februar geht es in der Reihe weiter mit der Petite Messe Solennelle von Rossini, dem Requiem von Verdi, der Messe in D von Smyth und der Berliner Messe von Pärt.
8. Januar 2025
Mit Rassisten diskutieren, das ist wie mit einer Taube Schach spielen. Egal wie gut du bist, egal wie sehr du dich anstrengst – am Ende wird die Taube aufs Spielfeld kacken, alles umschmeißen und umherstolzieren, als hätte sie gewonnen.
Eric Cantona

















