Bemerkenswertes
31. August 2026
Am letzten Freitag war ich zu Gast beim Via Nova Kunstfest Corvey 2026. Im Kaisersaal des Schlosses las Martin Wuttke die Erzählung "Die Hochzeit von Haiti" von Anna Seghers, jeweils zu Beginn beider Konzerthälften. Es spielte das legendäre Kronos Quartet, eines der renommiertesten Streichquartette der Welt. Auf dem Programm standen Werke von Frauen, die häufig mit eigenwilligen Partituren auffallen oder es wenigstens versuchen. Viel Klangexperimentelles, Collagen, Bandeinspielungen mit Vogellauten und allerlei sonstigen Naturgeräuschen. "Via Nova", nun gut. Kronos zeigte sich wie immer hochmusikalisch und technisch perfekt, spielfreudig und musikantisch im besten Sinn. Mein Herz und meine Sinne hat es trotzdem leider nur mit der Zugabe erreicht, der Bearbeitung eines Stückes von Nina Simone.
25. August 2026
"Diebe verlangen Geld oder Leben, Frauen beides."
Könnte aus einem guten Opernlibretto sein, stammt aber vom englischen Dichter und Satiriker Samuel Butler d. Ä. (1612 – 1680).
24. August 2026
Nach einem wunderschönen Urlaub in Asturien gingen nach der Heimkehr gleich die Planungen neuer Projekte, Kurse und Seminare für 2027 weiter. Frische Ideen, z. B. eine Beethoven-Woche an der VHS Stade (eine Betrachtung des Gesamtwerks an fünf aufeinander folgenden Werktagen, immer von 10.00 – 13.00 Uhr), und vertraute Formate wie Vorträge (erstmals bin ich an der Seniorenakademie Dresden) und Seminare an der VHS Gütersloh sowie an der Bayerischen Musikakademie Hammelburg ergänzen das "Göttinger Programm" mit Angeboten an der hiesigen VHS, der Universität des dritten Lebensalters (UDL) und den Internationalen Händel-Festspielen. Eine Opernreise wird im April nach Nürnberg gehen, wo wir im Staatstheater die Premiere von Verdis "Rigoletto" erleben werden. Im Augustinum Kassel heißt das Motto 2027 "Spuren", was eine facettenreiche Beschäftigung mit unterschiedlichsten musikalischen Themen ermöglicht (12 Vorträge, jeweils monatlich). Ein mehrtägiger Besuch der Musikstadt Leipzig zu den Mendelssohn-Festtagen ist in Vorbereitung. Noch in diesem Jahr bin ich wieder bei Frau+Kultur Gießen zu Gast und erstmals an der VHS Ahrweiler und der ParkAkademie Dortmund. Ich freue mich auf die neue Spielzeit und ein spannendes Programm!
Pause bis Ende August
Wer Fotos aus Asturien sieht, ohne dazugehörige Ortsangabe, würde sie nicht unbedingt Spanien zuordnen, höchstens dann, wenn zwischen zwei Berggipfel das Meer sichtbar wird. Mit dem üblichen Spanienbild, heiß und trocken, hat die Landschaft Asturiens nichts zu tun.
Die zerklüftete Landschaft und die Lage westlich des Golfs von Biskaya bewirkte auch, dass in der großen Reisetätigkeit der Mitteleuropäer und Engländer im 19. Jahrhundert, kaum jemand Asturien bereiste. Aber auch spanische Reisende ließen das Land oft links liegen und sogar der aus Frankreich kommende Jakobsweg führt südlich vorbei, über León nach Galicien. Manuel Fernández Ladreda beklagt sogar, dass Asturien vielen Spaniern genauso unbekannt sei wie Lappland.
aus: Manfred Gmeiner, Nachwort zu "Asturien"
Nun, auch für mich ist Asturien bisher ein unbekanntes Land. Umso mehr freue ich mich auf einen mehrwöchigen Urlaub in dieser Region, von der ich schon so viel Gutes und Schönes gehört und gelesen habe. Hier geht es Ende August weiter.
Bis dahin, Ihr/Euer
Thomas Sander
22. Juni 2026
Wenn ich zwischen zwei Übeln entscheiden muss, wähle ich das, was ich noch nicht ausprobiert habe.
Mae West (1893 – 1980), amerikanische Schauspielerin
19. Juni 2026
Ab Oktober beginnt an der VHS Göttingen ein neuer Kurs mit Porträts von Komponistinnen und Komponisten. In jeweils sechs Einheiten von 90 Minuten werden Leben und Werk bedeutender Tonsetzer/-innen beleuchtet. Texte, Kommentare und Analysen damaliger wie heutiger Fachleute begleiten das Hören und Sehen von Sinfonien, Solokonzerten, Kammermusik, geistlichen Werken, Opern, Liederzyklen und manchem mehr. Den Anfang macht Ludwig van Beethoven zur Einstimmung auf Konzerte und Sonderveranstaltungen zu seinem 200. Todestag im kommenden Jahr. Die Reihe mit Komponisten-Porträts löst den "Operntreff" ab, der nach fünfjähriger Laufzeit an der VHS nicht fortgesetzt wird.
13. Juni 2026
Niemand hat etwas dagegen, unterbrochen zu werden – solange es durch Beifall geschieht.
Kin Hubbard (1868 - 1930), amerikanischer Cartoonist, Humorist und Journalist
10. Juni 2026

Ohrwurm seit Sonntag: Korngold, Die tote Stadt, "Glück, das mir verblieb". Das ist nun wirklich das bekannteste Stück, das dieser Klangparfümeur geschaffen hat, ich komme nur schwer davon los. Vor allem das Nachspiel ist fantastisch, Harmonik und Instrumentation betören die Sinne und machen süchtig.
Die Vorstellung im Staatstheater Hannover war übrigens musikalisch stark, die Bilder konnten da leider nicht mithalten. Macht nichts, die Musik ist einfach unwiderstehlich und klingt immer noch nach.
Das Bild zeigt Erich Wolfgang Korngold im Jahre 1927, sieben Jahre nach der Uraufführung von "Die tote Stadt" (Aufnahme Georg Fayer).
8. Juni 2026
Dummköpfe eilen herein, wo Engel Angst haben aufzutreten.
Alexander Pope (1688 – 1744), englischer Dichter, Übersetzer und Schriftsteller
2. Juni 2026
Ein Bekannter, dem ich von der im September stattfindenden Opernreise nach Amsterdam erzähle, belehrt mich über "Cavalleria rusticana" von Mascagni. In Handlung und Ethik sei die Oper wohl sizilianisch, die Musik selbst sei auch schön, aber alles andere als sizilianisch, sondern eher "Cavalleria toscana".
Wahrscheinlich weiß er nicht, dass fast alle italienischen Opern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts die eigentliche Erzählung und die Psychologie der Charaktere in den Vordergrund stellen. Lokalkolorit entsteht durch die historischen Schauplätze selbst, nicht jedoch – mit raren Ausnahmen – durch die Verwendung folkloristischer Klänge der jeweiligen Handlungsorte. So enthält der "Barbier von Sevilla" von Rossini weder spanischen Flamenco noch Habanera oder Fandango, ebenso kommt Verdis "Macbeth" ganz ohne schottische Folk Music, Country Dance und Dudelsäcke aus. Auch in Bellinis "Norma" sucht man gallische oder keltische Klänge vergeblich, vielmehr folgt die Musik den harmonischen und instrumentalen Traditionen der italienischen Opernmusik jener Zeit. Und nebenbei, nicht ohne Augenzwinkern: Der deutsche Komponist und Dichter Peter Cornelius hat in seinen "Barbier von Bagdad" keine alten mesopotamischen Traditionen oder irakische Bauchtänze integriert.