Bemerkenswertes
21. April 2026
Wer eine Einigung sucht, der spricht, und wer eine Scheidung sucht, der schreibt.
Volker Wissing, ehemaliger Bundesverkehrsminster, in der Sendung "Markus Lanz" am 2. April 2026
Sehr klug und richtig. "Scheidung", hier für eine politische Absicht verwendet, kann für andere Situationen ersetzt werden durch Begriffe wie Zuspitzung, Konfrontation, Streit o. ä. – keine noch so elaborierte Schrift ist im Sinne einer konsensualen Verständigung so zielführend wie das Gespräch.
13. April 2026
Aus dem Programm des Konzerts "Baroque Influencers" mit dem brasilianischen Sopranisten Bruno de Sá und dem von der Blockflötistin Dorothee Oberlinger geleiteten Ensemble 1700 hob Sander die Musik von Giovanni Bononcini hervor, die durch ihren melancholischen Tonfall und ihre Feinsinnigkeit besonders anrührend sei, was Sander mit der Arie "Ombra mai fu" aus Giovanni Bononcinis "Xerxes" belegte. Sie sei "zum Wegschmelzen schön", schwärmte er, wobei ihm das Publikum deutlich Zustimmung signalisierte.
aus: Göttinger Tageblatt, 09.04.2026
In dem Vortrag, über den berichtet wird, hatte ich erwähnt, dass außer Händel auch andere zu ihrer Zeit hochangesehene Komponisten "Xerxes" vertont haben, darunter Francesco Cavalli und Giovanni Bononcini. Ich fügte hinzu, "ganz ehrlich", dass ich mir nicht sicher sei, welche der "Ombra mai fu"-Arien die schönste sei. Die Sopranistin Simone Kermes, deren Einspielung im Vortrag erklang, ist da direkter. Händels Arie sei "nicht schlecht", sagt sie, doch die von Bononcini sei "viel schlichter und eigentlich schöner - es berührt mich sehr."
Pause bis zum 12. April 2026
30. März 2026

In Kooperation mit dem Capitol Kino Witzenhausen beginnt am 19. April eine sechsteilige Vortragsreihe mit dem Titel "Klassik verstehen und genießen". Jeweils sonntags von 10.30 Uhr bis 12.00 Uhr bieten die Veranstaltungen Einblicke in die klassische Musik, immer mit zahlreichen Klangbeispielen, Hintergründen und Erklärungen. Besucherinnen und Besucher können aktiv an den Veranstaltungen teilnehmen oder einfach nur zuhören und genießen. Die Vorträge finden im großen Saal des altehrwürdigen Kinos statt, das im nächsten Jahr seinen 100. Geburtstag feiern kann. Ich freue mich sehr auf die Reihe! Hier die Themen und Termine bis zum Jahresende:
19. April: Flüsse und Meere, Regen und Eis – Über das Wasser in der Musik
17. Mai: „Pur ti miro“ – Das schönste Liebesduett der Operngeschichte
21. Juni: Was uns bewegt – Modernes Tanztheater
27. September: Komponistinnen
25. Oktober: Filmmusik
08. November: Operette sich, wer kann!
Capitol Kino Witzenhausen, Mühlstr. 16, 37213 Witzenhausen
27. März 2026
Ich bekenne offen, dass ich kein Vertrauen zu Menschen habe, die sich als feinste Kenner gebärden, die großen Kunstgötzen bewundern, die im Baedeker einen oder mehrere Sterne haben, sich für ein unkenntliches Porträt in einer illustrierten Enzyklopädie begeistern, und die zugleich nicht das geringste Unterscheidungsvermögen besitzen, sobald es sich um die Gegenwart handelt. Welches Gewicht hat denn tatsächlich die Meinung von Leuten, die vor großen Namen in Ekstase geraten, während sie zeitgenössischen Werken gegenüber eine stumpfe Indifferenz zeigen oder höchstens ihrer Vorliebe für alles Mittelmäßige und alle Gemeinplätze Ausdruck geben?
Igor Strawinsky (1882 - 1971)
22. März 2026
"Ralph Vaughan Williams’ Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis ist wunderschön, ätherisch und, wie ich feststellen musste, schwer in Worte zu fassen", urteilt die Musikkritikerin Terez Rose über eine der bewegendsten Kompositionen "klassischer" Musik. Ich selber habe das Stück kennengelernt, als ich kaum älter als zwanzig war. Es hat für mich bis heute nichts von seiner emotionalen Kraft und zutiefst berührenden Wirkung verloren. Für eine Viertelstunde taucht man beim Hören der Musik ein in die entfernte Welt der Tudor-Zeit. Vaughan Williams verpackt sie in klangsprachlich irisierende Folien später Romantik, melancholisch und imprägniert mit milder Trauer. Das Stück ist eine Bescherung, ein unwiderstehliches Hörerlebnis. Und wie gesagt, schwer in Worte zu fassen.
19. März 2026
I always said God was against art, and I still believe it.
Music has the power to express the deepest emotions when worlds are insufficient.
I never thought I was a genius. I knew I was a composer.
It is curious to be treated by the old-fashioned people as a criminal because my thoughts and ways are beyond them.
I have no regrets, except that my music is not better known.
Edward Elgar (1857 - 1934)
Veranstaltungsmemo:
Samstag, 21.03.2026, 10.00 - 15.45 Uhr (mit Mittagspause), VHS Wetzlar
Englische Komponisten im 19. und 20. Jahrhundert
18. März 2026
Eine durch den spanischen Regisseur Calixto Bieito ins Zeitlose übertragene Inszenierung von Beethovens einziger Oper „Fidelio“ erlebten 46 Opernbegeisterte Mitte März 2026 in der Bayerischen Staatsoper München. Die musikalisch wie szenisch hochwertige Aufführung bot den Mitreisenden reichlich Gelegenheit zu Austausch und Diskussion. Thomas Sander, Dozent an der Universität des Dritten Lebensalters, hatte als Reiseleiter die Gruppe zuvor mit einer Einführung auf das Bühnengeschehen vorbereitet. Zum Reiseprogramm gehörten neben dem Besuch der Oper eine geführte Stadtbesichtigung sowie ein Besuch der Prunkräume und der Parkanlagen von Schloss Nymphenburg. Darüber hinaus blieb während des dreitägigen Aufenthaltes auch Zeit für eigene Erkundungen der zahlreichen kulturellen und historischen Attraktionen, nicht zuletzt auch gastronomischer Einrichtungen mit urbayrischem Lokalkolorit.
Webseite der UDL Göttingen, Aktuelles
11. März 2026
Ich denke, spannend ist Theater nur, wenn eine Inszenierung aus dem Stück heraus entsteht. Die Geschichte muss wahrhaftig und erkennbar sein und so gut wie möglich erzählt werden, mit starker Personenführung und hoher Professionalität.
Philippe Jordan (* 1974), Dirigent
8. März 2026
Gestern Abend zeigte 3sat Otto Nicolais Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" aus der Volkoper Wien (2023, Inszenierung von Nina Spijkers). "Unter der musikalischen Leitung von Ben Glassberg verwandelt sich Nicolais komisch-fantastisches Werk in ein modernes Spektakel voller Witz, Frauenpower und orchestraler Brillanz", schreibt dazu TV-Spielfilm. Man kann es auch anders sagen: Otto Nicolais geistvoll-inspirierte Musik, gleichermaßen mit schelmischem Augenzwinkern wie mit gutmütigem Blick für menschliche Schwächen komponiert, wurde zum schutzlosen Opfer eines albernen, klamaukigen und vorgeblich feministischen Bühnenblödsinns.



